Migrationsdatenbank Schwäbisch Hall - Geschichten
Startseite | Info | Geschichten | Kontakt

IMMIGRATION / EMIGRATION -

ABENTEUER SEIT HUNDERTEN VON JAHREN

Wilhelm, Karl und Gottlob Koch

1871 - Fotografen und Pfarrer in den USA

Am 14. März 1884 starb in Schwäbisch Hall der pensionierte Lehrer und Witwer Peter Koch, der sich eine lokale Bedeutung als Maler erworben hat. Seine teilweise im Schwäbisch Haller Stadtarchiv aufbewahrten Zeichnungen und Gemälde haben zwar künstlerisch keinen hohen Rang, sind aber wertvoll als Dokumentationen der Stadt und ihrer Umgebung im 19. Jahrhundert. Bis zu seinem Tod hat Peter Koch über seine Geldangelegenheiten penibel Buch geführt und auf diese Weise auch die Kosten für die Berufsausbildung seiner Söhne und deren weitere Schicksale dokumentiert. Dieses „Buch-Journal“ und weitere Unterlagen haben sich in der Realteilung Kochs erhalten, in der die Aufteilung seines Nachlasses festgehalten ist. Keines der Kinder Peter Kochs blieb in Schwäbisch Hall. Louis Koch, sein ältester Sohn aus der ersten Ehe mit der 1853 verstorbenen Fanny geb. Teubner, lebte 1884 als Buchbinder in Hannover. Die drei jüngeren Söhne aus Kochs zweiter Ehe mit der 1857 vermutlich an den Folgen einer Geburt gestorbenen Wilhelmine geb. Mayer wanderten alle nach Amerika aus.

Aus Peter Kochs Notizen geht hervor, dass Wilhelm (*17. August 1854 in Tüngental) zuerst eine Lehre als Dreher gemacht hat.  Im April 1871 beantragt er, 17-jährig, die Auswanderung nach Amerika. Sein Vater vermerkt für den 22. April Ausgaben für Pässe für Wilhelm und Karl. Für die Überfahrt  bezahlt er 77 Gulden an den Agenten Gunzert in Hall und 25 Gulden für einen Wechsel nach New York und notiert die Ausgaben für die Bekanntmachung der Auswanderung im „Haller Tagblatt“. In der Akte befindet sich eine deutschsprachige Anzeige aus einer New Yorker Zeitung, in der Wilhelm eine Stelle sucht, und eine zweite mit einer Aufforderung für ihn, einen Brief seines Vaters bei der „Reform“ abzuholen. Wilhelm kehrt Ende Dezember 1877 aus Amerika zurück. Im August 1878 beginnt er ein Theologiestudium in Basel. Am 25. Januar 1882 reist er erneut, diesmal 27 Jahre alt, mit der Berufsangabe Pastor, mit dem Dampfschiff „Westphalia“ nach New York. Über Milwaukee kommt er im April 1882 in seinem wohl ersten Einsatzort  Black Creek an. 1882 gründet er mit der jungen Sophia Sasman eine Familie, aus der 10 Kinder hervorgehen. Einige lassen sich in den „Census-Listen“ bis 1940 weiterverfolgen. Die Söhne sind u. a. Drucker, Farmer, Lehrer und Elektriker.

Auch über Auslagen für seinen dritten Sohn Karl (*9. Februar 1856 in Altenberg) erfahren wir aus Peter Kochs Aufschrieben und Tagebucheinträgen mehr. Karl war in Lichtenstern in der Schule. Doch hat sein Betragen 1869 Anstoß erregt und er ist zweimal „ausgerückt“. Karl wird später Drucker und Photograph und wandert schon im September/Oktober 1873 – ein halbes Jahr nach seinem älteren Bruder Wilhelm – über Hamburg und Southampton mit dem Schiff „Silesia“ nach New York aus. Dort kommt er am 8. Oktober  1873 an. Zu diesem Zeitpunkt ist er 17 Jahre alt. Da Vater Peter Koch in seinem Journal des öfteren eine Mary Hartshorne in Highlands, Atlantic Highlands, Portland Place und Navesink im Monmouth County (New Jersey) – es liegt New York gegenüber – erwähnt, kann man annehmen , dass die beiden jungen Männer dort eine Anlaufstelle hatten. 1880 im Federal Census werden ein Charles Koch, „Printer“ (Drucker) , verheiratet mit Sarah F. Koch und deren zwei Jahre alter Sohn William aufgeführt, die zu den bekannten Daten von Karl Koch passen. 1900 findet man diese drei in Manhattan, New York. Weitere eindeutige Spuren wie bei Bruder Wilhelm ließen sich nicht finden.

Aus der Buchführung des Vaters Peter Koch geht hervor, dass Gottlob (*11. März 1857 in Altenberg), der jüngste der vier Söhne, nach seiner Konfirmation im Jahr 1871 zu einem Flaschner Kern in Hall in die Lehre gegeben wurde. Ab 1875 ist Gottlob an vielen Orten erwähnt, wo er eine weitere Ausbildung zum Photographen macht: Mannheim, Dürkheim, Neustadt a.d. Hardt, Bonn. 1876 ist er in Celle und Demmin, 1877 bis 1882 in Stuttgart. Am 1. August ist Gottlob als Photograph in New York mit dem Schiff „Neckar“ über Bremen und Southampton angekommen, wo er noch 1884 nach dem Tod des Vaters bei seinem Bruder Karl wohnt und arbeitet.




Quellen:
* Stadtarchiv Schwäbisch Hall 18/5704;
* US National Archives: Passenger Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1820-1897. Microfilm Publication M237, 675 rolls. Records of the U.S. Customs Service, Record Group 36
* US National Archives: 10th Census of the United States, 1880 (NARA microfilm publication T9, 1,454 rolls). Records of the Bureau of Census, Record Group 29
* Haller Tagblatt No. 115  vom 16. Mai 1884
* Staatsarchiv Hamburg, Hamburger Passagierlisten, 1850-1934; Band 373-7 I, VIII A 1 Band 043 A; Seite 72
* Ancestry.com: Daten des U.S. Federal Census 1940, 1930, 1910, 1900
* Trudy Schenk: Wuerttemberg, Germany Emigration  Index. Vol. I-VIII. Salt Lake City, UT, USA

Abbildung: Anzeige des Schwäbisch Haller „Auswanderungsagenten“ Julius Reichert im „Haller Tagblatt“ v. 16.5.1884

Text und Transkriptionen: Margret Birk

Catharina Christina Roscher

1780 - die Enkelin in Amsterdam wird enterbt

Schwere Vorwürfe erhob die Baumeisterswitwe Anna Margaretha Roscher gegen ihre Enkelin. Sie sei von ihr misshandelt, bestohlen, mit Vergiftung bedroht worden. mehr lesen

Johann Adam Schneider

1874 - "es ist ein schreiendes Unrecht"

Immer wieder sahen sich Auswanderer im Vergleich zu daheim gebliebenen Geschwistern benachteiligt - Johann Adam Schneider aus Gailenkirchen zeigte dies dem Vater sehr deutlich. mehr lesen

August und Viktor Schwegler

1849/1854 - die missratenen Brüder des Professors

In einigen Fällen diente die Auswanderung recht eindeutig dazu, die Familie von "schwarzen Schafen" zu befreien. So war es auch bei zwei in Schwäbisch Hall aufgewachsenen Söhnen des Michelfelder Pfarrers Eberhard Schwegler. mehr lesen

noch mehr Geschichten - Ereignisse - Schicksale lesen sie hier